Der Berufseinstieg ist selten einfach und gerade zu Zeiten von Corona eine echte Herausforderung. Wenn man dann noch erfährt, dass man in wenigen Wochen seinen ersten FAT (Factory Acceptance Test) in Barcelona begleiten darf, wird alles zum Abenteuer. Vor allem in dem Bewusstsein, dass dies nicht die letzte Reise nach Spanien sein würde.

Ziel des Projektes und damit der Reisen war, eines der Equipments für eine Doppelung sowie Erweiterung einer bestehenden Produktionslinie des Kunden abzunehmen. Die Anlagen wurden von dem Produktionsstandort des Kunden in Barcelona entwickelt und dort vor Ort zur Herstellung in Auftrag gegeben. Um das vorhandene Know-how zu nutzen, wurden auch die Anlagen für Deutschland in Barcelona bestellt.

Dreimal ging es 2020, für insgesamt fünf Wochen, mit einem bis zwei Projektingenieuren dienstlich nach Barcelona. Keine Reise war wie die andere. Obwohl es immer um das gleiche Equipment ging.

Die erste Reise war im Juli. In Deutschland war die erste Welle vorbei. Spanien hatte seinen ersten Lockdown hinter sich und die Menschen durften seit ein paar Wochen wieder raus auf die Straßen. Der Flugverkehr lief langsam wieder an und Länder mit geringen Covid-19 Fällen, wie Deutschland, durften in Spanien problemlos einreisen. Das merkte man deutlich an den vollen Flughäfen und im Flugzeug. Fast alle Plätze waren belegt. Draußen sollten die Abstandsregeln eingehalten werden, aber im Flugzeug saßen wir dann dicht an dicht. Auch das Hotel sowie die Straßen und Restaurants waren gut besucht. Um die grade wieder steigenden Zahlen in Katalonien in den Griff zu bekommen, kam es dort deshalb an unserem zweiten Tag zu einer generellen Maskenpflicht in der Öffentlichkeit.

Für mich war es die erste Reise nach Barcelona. Das machte es doppelt interessant. Das eigentliche Abenteuer war selbstverständlich mein erster FAT. Neben dem technisch umfangreichen Equipment gab es noch weitere Herausforderungen. Alles war neu. Auch die Temperaturen, ab Mittag gefühlte 40°C. Das für uns späte Mittagessen erst ab 14:00 Uhr. Die Mitarbeiter des Herstellers, welche zum Teil nur spanisch oder wenig englisch sprechen. Aber alle waren sehr nett und hilfsbereit. Das Hotel lag in Barcelona, der Hersteller etwas außerhalb. Das hieß 45 Minuten Taxi oder Autofahrt. Und alles mit AHA (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske).

Dank des netten Umfeldes und meiner Begleiter aus Deutschland ließen sich diese Herausforderungen gut für mich meistern. Außerdem konnte ich so einige der spanischen Mitarbeiter persönlich kennen lernen. Hatte ich doch im Vorfeld bereits häufig mit ihnen virtuell kommuniziert.

Beim ersten FAT hatten wir sechs Tage Zeit für eine Maschine. Die haben wir auch komplett ausgeschöpft. Beim zweiten FAT benötigten wir nur noch 4 Tage für eine baugleiche Maschine. Dies jeweils im Zweierteam. Bei der dritten Reise war das Ziel, zu zweit in zwei Wochen sechs Maschinen erfolgreich durch den FAT zu bekommen. Das war nicht die einzige Herausforderung. Bekannterweise hatte sich die Situation rund um Corona in beiden Ländern mittlerweile deutlich verändert. Um nicht zu sagen verschlechtert. Im August wurde Katalonien zum Risikogebiet. Dies war dann auch deutlich auf dem Flug zu merken. Während man im Juli froh über jeden freien Platz im Flieger war, hatten wir jetzt jeder fast eine ganze Sitzreihe für uns. Um den Weg zum Hersteller zu verkürzen, lag dieses Mal auch das Hotel außerhalb. Ansonsten war aber alles beim Alten.

Im November hingegen war alles noch mal anders. Deutschland und Spanien Risikogebiete. Beide in einem Lockdown Light. Der Flug nach Barcelona war noch leerer als im August. Der Rückflug hingegen wieder gut gefüllt. Das Hotel zwar wieder in der Stadt, aber dafür die Restaurants geschlossen bzw. offen für take away. Corona war nähergekommen. Die Zahl der bekannten Erkrankten deutlich gestiegen. Genau wie die Anzahl der Stäbchen in Nase und Rachen. Damit auch die Sorge, sich anzustecken. Und das Wichtigste, auf dieser Reise lag die Hauptverantwortung für die FAT-Durchführung bei mir. Dies war, Dank mittlerweile großem Know-how auf allen Seiten, eine gut zu meisternde Herausforderung.

Trotz alledem bereue ich keine der Reisen und freue mich auf die nächsten und vorerst letzten zwei Wochen in Barcelona 2021. Ich bin mehr als einmal weit über den eigenen Schatten gesprungen und durfte über mich hinausgewachsen. Jedes Mal habe ich etwas Neues über das technisch umfangreiche Equipment gelernt. Ich bewundere und beneide die Spanier für ihr, in vielen Fällen entspanntes Wesen. Und ich habe gelernt, wie wichtig auch nach einem langen Arbeitstag ein gemeinsamer Abend bei gutem Essen in einem netten Restaurant sein kann. Auch wenn dieses, vor allem in Spanien dank der späten Öffnungszeiten, bedeutet, dass man wenig Schlaf bekommt.