Projektbericht aus der Biotechnologie – Teil 3: Lessons Learned & Fazit
Unsere Kollegin aus dem Projekt-Engineering war Teil eines internationalen Großprojekts im Bereich Diagnostik-Produktion. Ziel war es, die Produktionskapazitäten eines COVID-relevanten Kits zu verdoppeln und eine vollautomatisierte Linie in Deutschland aufzubauen. Im abschließenden Teil 3 teilt sie nun ihre Lessons Learned: Was lief gut, was nicht – und welche Erfahrungen bleiben aus viereinhalb Jahren Projektarbeit besonders in Erinnerung?
Im Laufe der verschiedenen Projekte – und teilweise sogar innerhalb einzelner Projektphasen – kam es immer wieder zu personellen Wechseln auf nahezu allen Positionen und in allen Abteilungen. Mitarbeitende wechselten intern die Rolle oder verließen das Unternehmen, ebenso wie Ansprechpartner:innen auf Lieferantenseite. Besonders herausfordernd war dies im letzten und größten Projekt, in dem auf allen Schlüsselpositionen – etwa in der Projektleitung, der Qualitätssicherung oder bei den Prozessspezialist:innen – mindestens ein Wechsel stattfand.
Diese Fluktuation hatte erhebliche Auswirkungen: Wissen aus frühen Projektphasen ging verloren, neue Anforderungen wurden eingebracht, und neue Kolleg:innen mussten regelmäßig eingearbeitet werden. Das brachte das Projektteam an seine Grenzen – sowohl organisatorisch als auch persönlich. Besonders die mehrfachen Wechsel in der Projektleitung führten zu Konflikten und Verzögerungen, die durch zusätzliche Herausforderungen wie Lieferengpässe oder komplexe Programmieraufgaben weiter verschärft wurden. Der wachsende Druck von beiden Management-Seiten machte die Situation nicht einfacher.
Gerade in diesem Zusammenhang wurde einmal mehr deutlich, wie essenziell eine durchdachte Dokumentation und transparente Kommunikation sind. Auch wenn im Projektalltag oft wenig Zeit dafür bleibt, ist es enorm wichtig, Informationen sauber festzuhalten, abzustimmen und zentral zugänglich zu machen. Nur so kann ein gemeinsames Verständnis sichergestellt werden – besonders dann, wenn eine persönliche Übergabe nicht oder nur unvollständig möglich ist.
Eine weitere strukturelle Schwäche zeigte sich im fehlenden Prozess zur Übergabe der Prozessequipment an Produktion, Instandhaltung und Lokales Engineering. Da das Projekt-Engineering seit dem Produktionsstart die Hauptverantwortung trug, konnte bei den betreibenden Einheiten nicht ausreichend Wissen aufgebaut werden.
Frühere Projekte standen unter anderen Vorzeichen. Während der Corona-Pandemie war insbesondere die Reisetätigkeit nach Barcelona – und umgekehrt – stark eingeschränkt. Dank einer Sonderregelung mit dem Gesundheitsamt konnten Quarantänezeiten reduziert werden, was die Zusammenarbeit mit dem spanischen Team überhaupt erst ermöglichte.
Trotz aller Herausforderungen haben gerade die ersten kleineren Projekte gezeigt, was ein motiviertes Team leisten kann, wenn alle am gleichen Strang ziehen – auch wenn das manchmal bedeutete, über die eigenen Grenzen hinauszugehen.

Rückblickend konnte ich in den 4,5 Jahren viele Einblicke in unterschiedliche Bereiche gewinnen, verschiedenste Verantwortungen übernehmen und eigenständig arbeiten. Die Zusammenarbeit mit diversen Teams und Arbeitsweisen hat mich gelehrt, flexibel zu bleiben, mich schnell in neue Systeme einzuarbeiten und mich an wechselnde Anforderungen anzupassen.
Mein Rückblick zeigt: Projektarbeit in der Biotech-Branche ist so vielfältig wie herausfordernd – und gerade deshalb ein unglaublich spannendes Arbeitsfeld. Ich freue mich auf weitere Projekte, neue Erfahrungen und den fachlichen Austausch!
P.S. In Teil 1 ihres Erfahrungsberichts schilderte sie den Projektstart und die technischen Herausforderungen. Teil 2 gab Einblick in ihre Rolle als Teilprojektleiterin und die internationale Zusammenarbeit mit Spanien und der Schweiz.